Borderline und Beziehungen

Beziehung mit Betroffenen?

Beziehungen mit Betroffenen sind ein heikles Thema. Ich habe schon viel schlechtes darüber gehört. Man sagt, Borderline Patienten lügen, manipulieren, seien streitsüchtig, untreu und noch vieles mehr.

Klar ist, dass die Beziehungen eine Herausforderung sind. Aber es lohnt sich. Die Eigenschaften müssen nicht auf alle Borderline Betroffenen zutreffen oder ich würde auch nicht sagen, dass das das Beziehungsverhalten der Betroffenen wiederspiegelt. Jeder Mensch ist unterschiedlich, kein Mensch ist gleich und jeder Mensch hat andere Charakterzüge. Nur weil jemand betroffen ist, muss es nicht sein, dass er oder sie sich so verhält.

Wenn sie lieben, dann richtig. Bei Konflikten kann es auch schnell ins Gegenteil umschlagen und die Partner werden abgewertet und oft stehen sie mit Beziehungsabbrüchen da. Das geht ganz schnell, vor allem, wenn in Konflikten die Impulsivität dazwischenfunkt. Es muss aber nicht immer so sein. Es gibt viele Beziehungen mit Betroffenen, die über Jahre und Jahrzehnte funktionieren. Experten sagen, dass Beziehungen mit Betroffenen höchstens 6 Monate halten, weils einfach so schwierig werden kann. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel.

Verlustsangst spielt in Borderline Beziehungen eine sehr große Rolle. Die Betroffenen haben sehr große Angst, vom Partner verlassen zu werden. Das können die kleinsten Auslöser sein, oft aber auch ohne Auslöser. Wichtig ist es, die Verlustsangst im Auge zu behalten und zu thematisieren. Allgemein ist es sehr wichtig, offen und ehrlich über alles zu reden. Auch in Beziehungen mit Nichtbetroffenen.

Oft ist es auch so, dass das Gefühlschaos und die Stimmungsschwankungen den Beziehungspartner überfordern. Die raschen Stimmungswechsel, manchmal eine gereizte Grundstimmung und Wutausbrüchen birgen Konflikte und es wird schwierig, das Ganze einzuordnen. Auch in Konflikten ausgelöst durch irgendetwas kann es passieren, dass die Borderline Betroffenen einen Wutausbruch bekommen. Der kann ganz unterschiedlich aussehen. Manche beschimpfen den Partner, schreien laut herum, machen Gegenstände kaputt und lassen sich kaum beruhigen. Andere Betroffene werden bei Konflikten ruhig, ziehen sich in sich zurück, suchen die Schuld oft nur bei sich und es kann dann auch zu Selbstverletzendem Verhalten kommen. Das ist immer ganz unterschiedlich und individuell.

Der Selbsthass, den Betroffene verspüren, macht es auch nicht einfacher, dem Partner zu vertrauen, dass er oder sie wirklich Liebe empfindet. Das wird oft in Frage gestellt.

Dadurch, dass Betroffene 9 x intensiver fühlen als normalen Menschen ist es mit der Liebe und Zuneigung dem Partner gegenüber auch total schön.

Also, es kann klappen, wenn die Partner viel miteinander reden, sich über ihre Gedanken, Gefühle und Problemlagen austauschen, offen und ehrlich zueinander sind und sich professionelle Hilfe holen, wenn es nötig wird.

Eine Antwort schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.