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DBT Therapie stationär

Wie mir die stationäre DBT hilft und geholfen hat

Oft habe ich mich gefragt, ob ich über meine Klinikerfahrungen berichten möchte.

Ich habe mich dafür entschieden, um anderen Betroffenen Mut zu machen. Deshalb thematisiere ich in meinem nächsten Blogeintrag die stationäre DBT.

Ich bin jetzt 39 Jahre alt, 1982 geboren und mit 22, also 2004 war ich das erste Mal stationär in einer Psychiatrie. Ich hatte das Glück, dass ich gleich auf die richtige Therapiestation gekommen bin.

Damals war die DBT noch nicht so verbreitet und steckte noch in den Anfängen, so würde ich es sagen.

Hier auf der Station gab es nach Selbstverletzungen Verhaltensanalysen, wie oft musste ich sie ausfüllen. Es hat mir aber geholfen mich zu analysieren und zu reflektieren. Auch gab es Skillsgruppen, die aber ganz anders aufgebaut waren als heutzutage. Und es gab die Basisgruppe, auch Psychoedukation genannt, wo über das Störungsbild der Borderline Persönlichkeitsstörung über 10 Sitzungen aufgeklärt wurde.

Mittlerweile ist die Station, wo ich behandelt werde eine zertifizierte DBT Station. DBT bedeutet dialektisch behaviorale Therapie und umfasst 5 Module. Achtsamkeit, Stresstoleranz, Zwischenmenschliche Fertigkeiten, Umgang mit Gefühlen und das Selbstwertmodul.

Es gibt 3 Skillsgruppen die Woche, wo ganz intensiv auf die Skills der einzelnen Module eingegangen wird, Skills vermittelt und besprochen werden, als Hausaufgabe geübt werden. Auch gibt es 2 Übungsgruppen für Stresstoleranz und Emotionsregulation, die ohne Therapeuten stattfinden. Das ist nochmal gut zur Wiederholung.

Vor 2 Jahren habe ich dann den 12 Wochen DBT Durchlauf gemacht und ich muss sagen, es hat mir sehr geholfen.

Ich hatte Skillsgruppen, die Skills Übungsgruppen, Basisgruppe (Psychoedukation über die Borderline Persönlichkeitsstörung), Bezugsgruppe (eine Patientengruppe ebenfalls ohne Therapeuten), dann Sport, Kunstherapie, 2 Einzelgespräche mit meiner Therapeutin die Woche, ein Bezugspflegegespräch die Woche mit meiner Bezugspflegekraft, Visite und Morgen und Abendrunden.

Ich habe so viel gelernt und nun bin ich regelmäßig zu Therapieblöcken auf Station, um intensiv an mir zu arbeiten, da es ambulant mehr um Stabilisierung im Alltag geht und ich da auch nur alle 2 Wochen Termine habe.

Da die Borderline Störung eine Störung der Gefühlsregulation ist, ist es wichtig auch zu lernen, seine Gefühle zu regulieren. Wir wurden mit einer hohen Empfindsamkeit geboren.

Hohe Anspannungszustände oder Hochstress sind immer unregulierte Gefühle, auch z.B. Suizidgedanken, die man auch als Signalgeber für starke Gefühle sehen kann.

Borderline Patienten erleben Gefühle 9 x stärker als der sozusagen Normalbürger. Sie schießen schnell hoch, sind sehr intensiv und lang anhaltend und bauen sich nur langsam wieder ab. Das ist typisch.

Wir sind die Araberhengste unter den Pferden oder der Porsche unter den Autos, womit man aber lernen kann, zu fahren zum Beispiel.

In der Therapie lernen wir Stresstoleranzskills kennen, um hohe Anspannungszustände abzubauen sozusagen. Wir lernen mit verschiedenen Skills Gefühle einzuordnen, zu benennen, auf Angemessenheit und Intensität zu überprüfen und diese zu regulieren. Wir lernen auch zum Beispiel, wie man Gefühle abschwächt, die zu intensiv sind, wie zum Beispiel Angst oder Ärger / Wut.

Wir lernen unsere Grundannahmen auch Glaubenssätze kennen. Die meisten Patienten hatten eine schwierige Vergangenheit und haben eine schlechte Meinung über sich selbst. Wie zum Beispiel: “Ich bin hässlich”, “keiner mag mich”, “alle reden über mich”, “mir darf es nicht gut gehen, das habe ich nicht verdient” oder “ich bin es nicht wert, dass mir geholfen wird.”. Das sind typische Glaubenssätze, die viele Borderline Patienten begleiten.

Wir schreiben Skillsketten, um unser Problemverhalten zu durchbrechen und keine schädlichen Verhaltensweisen anzuwenden, da sie kurzfristig vielleicht hilfreich sind, aber langfristig dysfunktional sind. Die Skillsketten kommen dann zum Beispiel in den Notfallkoffer.

Es gibt eine Skillskoffergruppe, wo wir auch einen Skillskoffer gestalten. Ganz individuell nach eigenen Vorstellungen.

In den Skillskoffer können dann scharfe oder saure Bonbons, Amonniak, Skillsketten, positive Fotos, Mutmachbriefe usw. hinein. Jeder muss für sich schauen, das passende zu finden, was hilft.

Auch lernen wir, mehr Verständnis für uns selbst zu entwickeln. Und die psychische Erkrankung zu akzeptieren und anzunehmen, denn erst dann ist Veränderung möglich.

Auch ist Veränderung nur möglich, wenn man innere Bereitschaft dafür zeigt und sich bewusst für einen neuen Weg entscheidet. Das muss in manchen Momenten täglich erfolgen.

Immer wieder kann man sich bewusst für einen neuen Weg ohne Problemverhalten entscheiden, wie zum Beispiel Selbstverletzung, Alkohol- und Drogenkonsum oder Medikamentenmissbrauch. Da gibt es natürlich noch viel mehr.

In der Therapie führt man viele Protokolle, die Diary Card und bekommt in den Skillsgruppen und Einzelgesprächen auch Hausaufgaben auf.

Ihr glaubt gar nicht, wie viele Skills es gibt 🙂

Das war jetzt mal ein Einblick.

Was mir am meisten hilft, sind die Stresstoleranzskills und die Emotionsregulationsskills. Vorraussetzung für Skillsanwendung ist die Achtsamkeit.

Auch ist es wichtig für mich gelernt zu haben, wie man Gefühle einordnet, benennt, sie nach Intensität und Angemessenheit überprüft um sie dann auf den 4 Zugangskanälen abzuschwächen. Ein Gefühl besteht nämlich aus 4 Zugangskanälen, Gedanken, Handlungsdrang, Körperhaltung und der Wahrnehmung. Damit kann man Gefühle verstärken, wie zum Beispiel positive Gefühle oder aber auch negative Gefühle abschwächen. Das ist echt gut und das habe ich in der DBT gelernt.

Vielleicht konnte ich dir etwas Mut machen, dir Hilfe zu holen, ich wünsche jedem einzelnen von Euch alles Gute auf eurem Weg, bleibt stark und kämpft für euch!

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